Bochum-Wattenscheid: Ansah holt Gold, Lückenkemper durch Zeckenbiss gebremst

Ansah verteidigt Titel trotz Kontroverse
Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid hat Owen Ansah seinen Titel über 100 Meter erfolgreich verteidigt. Der 25-jährige Athlet vom Hamburger SV sprintete in 10,00 Sekunden zur Goldmedaille. Diese Leistung erfolgte trotz einer laufenden Kontroverse um einen verweigerten Dopingtest, die im Vorfeld für Aufmerksamkeit sorgte.
Ansah, der von einem ausverkauften Publikum im Lohrheidestadion empfangen wurde, zeigte sich unbeeindruckt. Er erklärte, dass seine Gedanken auf der Bahn frei seien und er stolz auf seine Leistung sei. Seine Zeit lag nur zwei Hundertstelsekunden über seinem deutschen Rekord von 9,98 Sekunden. Heiko Gussmann vom Sprintteam Wetzlar erreichte in 10,06 Sekunden eine persönliche Bestzeit und sicherte sich den zweiten Platz, gefolgt von seinem Vereinskollegen Kevin Kranz in 10,16 Sekunden.
Die DM dient als letzte Vorbereitung vor den Europameisterschaften in Birmingham, die vom 10. bis 16. August stattfinden. Eine Entscheidung bezüglich Ansahs Fall wird vor den Europameisterschaften nicht erwartet.
Ernst siegt, Lückenkemper von Zeckenbiss beeinträchtigt
Im 100-Meter-Finale der Frauen setzte sich Jolina Ernst vom TV Wattenscheid 01 mit einer Bestzeit von 11,26 Sekunden durch und gewann ihren ersten nationalen Titel. Sie entthronte damit Gina Lückenkemper, die in 11,29 Sekunden den dritten Platz belegte. Emma Goretzka vom LAC Berlin erreichte ebenfalls 11,26 Sekunden und wurde Zweite, nur drei Tausendstelsekunden hinter Ernst.
Lückenkemper berichtete, dass sie vor einigen Wochen durch einen Zeckenbiss in den Hinterkopf beeinträchtigt wurde, was ihr Training für einige Zeit unterbrochen hatte. Sie beschrieb die Erfahrung als sehr belastend und war den Tränen nahe. Trotz der Überlegung, die Meisterschaften abzusagen, zeigte sie sich letztlich glücklich über die Bronzemedaille.
Weitere Höhepunkte der Meisterschaften
Im Speerwurf der Männer sicherte sich Julian Weber vom USC Mainz seinen sechsten deutschen Meistertitel in Folge mit einer Weite von 82,60 m. Dies gelang ihm trotz eines Feueralarms in seinem Hotel in den frühen Morgenstunden. Weber absolvierte nur vier Versuche und zog damit mit der Legende Klaus Wolfermann gleich, der zwischen 1969 und 1974 ebenfalls sechsmal in Folge bundesdeutscher Meister war. Der Vize-Europameister war kürzlich bei einem Meeting in Luzern mit 87,04 m in die Saison eingestiegen und hatte sich an die Spitze der europäischen Jahresbestenliste gesetzt.
Im Weitsprung der Männer überzeugte Simon Batz vom MTG Mannheim, der im fünften Versuch seinen Hausrekord auf 8,29 m verbesserte. Diese Weite bringt ihn auf den sechsten Platz in Europa. Batz zeigte sich begeistert von seiner Leistung bei den deutschen Meisterschaften. Kevin Brucha vom TLV Germania Überruhr sprang im letzten Versuch 8,04 m und erreichte damit erstmals die 8-Meter-Marke, was ihm den zweiten Platz einbrachte. Simon Plitzko vom TSG Bergedorf wurde Dritter mit 8,00 m.
Im 100-Meter-Hürden-Finale der Frauen stellte Franziska Schuster vom TSV Bayer 04 Leverkusen in 12,69 Sekunden eine persönliche Bestzeit auf und egalisierte den Meisterschaftsrekord. Sie äußerte sich überrascht über diese Zeit, die sie sich nicht erträumt hatte. Rosina Schneider vom TV Sulz wurde Zweite in 12,81 Sekunden, gefolgt von Lia Flotow vom 1. LAV Rostock in 12,83 Sekunden, die ebenfalls eine persönliche Bestzeit erzielte.
Im Hochsprung der Männer gewann Tobias Potye von Munich Athletics seinen sechsten Freiluft-Titel in Folge mit übersprungenen 2,15 m. Das Duell mit Falk Wendrich vom LAZ Soest endete jedoch vorzeitig, als Potye beim Anlauf zu 2,19 m mit dem Kopf gegen einen Ständer prallte und sich eine blutende Wunde zuzog. Er brach den Wettkampf ab, behielt aber den Sieg, da Wendrich ebenfalls bei 2,19 m scheiterte und mehr Fehlversuche hatte.
Im Diskuswurf der Frauen triumphierte Shanice Craft vom SV Halle mit einer Saisonbestleistung von 66,18 m. Sie hatte zuvor beim Diamond-League-Meeting in London wegen Adduktorenproblemen aufgegeben. Kristin Pudenz vom OSC Potsdam holte Silber mit 64,00 m, und Leia Braunagel von Eintracht Frankfurt gewann Bronze mit 63,15 m.
Über 3.000 Meter Hindernis sicherte sich Karl Bebendorf vom Dresdner SC 1898 trotz eines Sturzes seinen siebten nationalen Titel in 8:21,01 Minuten. Frederik Ruppert vom LAV Stadtwerke Tübingen gewann den 5.000-Meter-Lauf in 14:08,15 Minuten.
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Source: sportschau.de