Van der Poel siegt auf den Champs-Élysées nach dramatischer Schlussetappe

Die 113. Tour de France fand ihren Höhepunkt in einem spannenden Finale auf den Champs-Élysées. Mathieu van der Poel sicherte sich den Sieg nach einem dramatischen Schlussspurt, bei dem sein Teamkollege Jasper Philipsen eine entscheidende Rolle spielte. Van der Poel überquerte die Ziellinie knapp vor den herannahenden Verfolgern.
Nach dem Rennen zeigte sich Mathieu van der Poel erschöpft und sprachlos. Er gab an, ein ganzes Jahr auf diesen Tag hingearbeitet zu haben. Der Sieg auf der Prachtmeile war für den 31-Jährigen von großer Bedeutung, wie er in einem Interview nach der Etappe betonte. Er hatte bereits im Vorjahr, als er krank war und das Rennen im Fernsehen verfolgen musste, an diesen Moment gedacht.
Entscheidende Momente des Rennens
Das Finale entwickelte sich zu einem intensiven Rennen. Auf der letzten von drei Runden über den Montmartre setzte der Weltmeister von 2023 zum Angriff an. Lediglich Tadej Pogacar, der Gesamtsieger, konnte ihm folgen. Die beiden Fahrer erarbeiteten sich einen Vorsprung von zwischenzeitlich fast 20 Sekunden vor dem Verfolgerfeld.
Auf den letzten zehn Kilometern betrug ihr Vorsprung rund 15 Sekunden. Dieser schmolz jedoch bis zur Flamme Rouge auf fünf Sekunden, da die Verfolgergruppe, angeführt vom Decathlon-Team, aufholte. Etwa 500 Meter vor dem Ziel blickte van der Poel zurück und sah, wie nah die Verfolger gekommen waren. Er mobilisierte daraufhin alle Kräfte und ließ Tadej Pogacar hinter sich.
Tadej Pogacar erkannte, dass sein Versuch, als erster Träger des Gelben Trikots seit Bernhard Hinault im Jahr 1982 in Paris zu gewinnen, aussichtslos war. Die Verfolger, angeführt von Mads Pedersen im Grünen Trikot, kamen immer näher. Als der Däne seinen Sprint begann, löste sich Jasper Philipsen aus dessen Windschatten.
Jasper Philipsen, der deutlich schneller war als sein Teamkollege, sprintete der Ziellinie entgegen. Zehn Meter vor dem Ziel hörte er jedoch auf zu treten, riss den rechten Arm in die Höhe und feierte den Sieg seines Teamkollegen. Es ist nicht sicher, ob Philipsen van der Poel noch überholt hätte, aber er unternahm keinen Versuch dazu.
Teamgeist und persönliche Bedeutung
Jasper Philipsen äußerte sich zu seiner Geste und betonte, dass Mathieu van der Poel in der Vergangenheit viel für ihn getan habe. Er bezeichnete van der Poel als unglaublichen Teamkollegen, Champion und Freund. Philipsen lobte van der Poels uneigennütziges Verhalten und seine Stärke, anderen Teamkollegen zum Sieg zu verhelfen. Er erinnerte daran, dass van der Poel ihn auf der 17. Etappe von Chambery nach Voiron zu einem Etappensieg gezogen hatte.
Der Sieg auf den Champs-Élysées war für Mathieu van der Poel ein lang gehegter Wunsch. Er gestand, dass dies eines der Rennen war, die er in seinem Leben noch gewinnen wollte. Der Niederländer sank nach dem Überqueren der Ziellinie völlig erschöpft vom Rad und lag minutenlang auf dem Boden, bevor er ein Siegerinterview geben konnte. Er hob hervor, dass das Team niemals aufgebe und die Plätze eins und zwei auf den Champs-Élysées ein sehr gutes Ergebnis für die Tour seien.
Mit diesem Erfolg erreichte van der Poel etwas, das weder seinem Großvater Raimond Poulidor noch seinem Vater Adrie van der Poel gelungen war. Sein Vater hatte 1982 in Paris den zweiten Platz hinter Bernard Hinault belegt. Adrie van der Poel zeigte sich besonders erfreut über den Sieg seines Sohnes, der das Gelbe Trikot besiegt hatte.
Neue Streckenführung und Zukunftsaussichten
Die Tour de France endet seit dem vergangenen Jahr nicht mehr mit einem klassischen Sprint auf den Champs-Élysées. Stattdessen führt die Strecke, ähnlich wie bei den Olympischen Spielen 2024, über den Montmartre. Diese Änderung stieß bei einigen Traditionalisten auf Kritik, während andere sie begrüßten.

Experten wie Rolf Aldag lobten die neue Streckenführung, da sie eine bessere Balance zwischen Sprintern und attackierenden Fahrern biete. Er bezeichnete es als spektakulär, dass Tadej Pogacar, der Träger des Gelben Trikots, 300 Meter vor dem Ziel noch einmal eingeholt wurde. Sollte diese Streckenführung beibehalten werden, könnten Klassiker-Spezialisten wie Mathieu van der Poel weiterhin favorisiert sein. Tadej Pogacar wird jedoch voraussichtlich im nächsten Jahr erneut um den Sieg mitfahren.
Das Alpecin-Team feierte einen Doppelsieg in Paris. Jasper Philipsen, der in dieser Frankreich-Rundfahrt lange Zeit hinter den Erwartungen zurückblieb und erst auf der 17. Etappe triumphierte, zeigte sich als perfekter Teamplayer. Er betonte, dass dieser Erfolg ein Meilenstein für das Team sein werde. Tadej Pogacar, der nun fünfmalige Gesamtsieger, wartet weiterhin auf seinen ersten Sieg in Paris, zeigte sich aber beeindruckt von der Atmosphäre und dem Fan-Andrang in der französischen Hauptstadt.
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Source: radsport-news.com